Wer eine Firma für die Fassadenreinigung sucht, sollte nicht mit dem Preis beginnen. Zuerst muss geklärt sein, was gereinigt wird, welches Verfahren der Untergrund verträgt, wie das Schmutzwasser aufgefangen wird und wie das Team sicher an jede Fläche gelangt. Fehlen diese Angaben, vergleichen Hausverwaltungen keine Angebote, sondern unterschiedlich große Leistungspakete.
Für größere Wohnanlagen und Gewerbeobjekte ist die Auswahl deshalb eine technische Entscheidung. Eine gute Firma erklärt vor dem Auftrag nicht nur das gewünschte Ergebnis, sondern auch den Weg dorthin: Probefläche, Schutz angrenzender Bauteile, Höhenzugang, Entsorgung, Terminfolge und Abnahme. Genau diese Punkte gehören schriftlich ins Angebot.
Vor Ort statt am Telefon
Was eine Firma vor dem Angebot prüfen muss
Der erste belastbare Schritt ist eine Objektbegehung. Auf Fotos lässt sich zwar erkennen, wo Beläge sitzen. Ob ein Putz kreidet, Fugen offen sind, ein Wärmedämmverbundsystem beschädigt ist oder Regenwasser in einen Misch- oder Regenwasserkanal läuft, zeigt sich jedoch erst am Gebäude. Auch Zufahrt, Neigung des Geländes, Schutzdächer und Publikumsverkehr beeinflussen das Arbeitsverfahren.
Vor der Kalkulation
Welche Prüfung welche offene Frage beantwortet
Ein Angebot wird erst dann vergleichbar, wenn Untergrund, Verschmutzung und Arbeitsumfeld getrennt aufgenommen sind.
| Prüfpunkt | Die Firma sollte festhalten | Daran erkennen Sie Substanz |
|---|---|---|
| Untergrund | Putz, WDVS, Klinker, Naturstein, Metall oder Glas sowie sichtbare Schäden | Das Verfahren wird begründet und nicht pauschal für jede Fläche angeboten. |
| Belag | Algen, Pilze, Ruß, Staub, Ausblühungen oder lose Beschichtung | Reinigung und mögliche Instandsetzung werden sauber voneinander getrennt. |
| Umfeld | Fenster, Dichtungen, Pflanzen, Fahrzeuge, Laufwege und Nachbarflächen | Schutz und Absperrung stehen als Leistung im Angebot. |
| Entwässerung | Abläufe, Kanalart, Auffangmöglichkeit und vorgesehene Entsorgung | Das Schmutzwasser verschwindet nicht kommentarlos im Gully oder Boden. |
| Zugang | Standfläche, Zufahrt, Arbeitshöhe, Hindernisse und Rettungsweg | Hubsteiger, Gerüst oder Seilzugang werden aus dem Objekt abgeleitet. |
Eine Probefläche gehört bei unbekanntem oder empfindlichem Aufbau zur Vorbereitung. Sie zeigt, ob Farbe, Körnung und Fugen stabil bleiben und welches Ergebnis realistisch ist. Das schützt auch vor einem häufigen Missverständnis: Reinigung entfernt Schmutz und biologischen Bewuchs, sie ersetzt keine lose Beschichtung und repariert keine Risse.
Material vor Maschine
Welches Verfahren zum Untergrund passt
„Hochdruck oder Chemie?“ ist als Auswahlfrage zu grob. Druck, Temperatur, Abstand, Düse, Einwirkzeit und Reinigungsmittel wirken zusammen. Bei festem Klinker kann ein anderes Vorgehen vertretbar sein als bei einem dünnen Oberputz auf Dämmung. Eine professionelle Fassadenreinigung beginnt deshalb beim Bauteil und nicht beim vorhandenen Gerät.
Vorsicht ist angebracht, wenn ein Verfahren schon vor der Besichtigung feststeht. Wer für jede Fassade dieselbe Maschine, denselben Druck oder dasselbe Mittel nennt, hat den entscheidenden Teil der Diagnose übersprungen. Fragen Sie stattdessen, welches Risiko das vorgeschlagene Vorgehen am konkreten Untergrund hat und wie es auf der Probefläche geprüft wird.
Nicht die stärkste Methode ist die professionelle, sondern die begründete. Das Angebot sollte erkennen lassen, warum Verfahren, Schutzmaßnahmen und Terminfolge genau zu diesem Gebäude passen.
Bei Algen- oder Pilzbelag ist außerdem wichtig, was nach der sichtbaren Reinigung geschieht. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass Biozide aus Fassadenmaterialien ausgewaschen werden und in Boden, Grundwasser oder Oberflächengewässer gelangen können. Eine Firma muss deshalb erklären, ob überhaupt ein entsprechendes Mittel nötig ist, wie sparsam es eingesetzt wird und wie belastetes Wasser aufgefangen wird.
Nicht in den nächsten Ablauf
Wie Abwasser und Arbeitsbereich geplant werden
Reinigungswasser ist rechtlich nicht einfach nur Wasser. Nach § 54 Wasserhaushaltsgesetz gilt Wasser, das durch gewerblichen Gebrauch in seinen Eigenschaften verändert wurde, als Abwasser. Ob und unter welchen Bedingungen es in eine öffentliche Abwasseranlage eingeleitet werden darf, richtet sich zusätzlich nach den örtlichen Vorgaben. Eine belastbare Firma klärt den Entsorgungsweg vor dem ersten Arbeitstag und nennt ihn im Angebot.
Für Auftraggeber ist das ein guter Qualitätsfilter. Fragen Sie, wie Abläufe abgedeckt werden, wo Wasser gesammelt wird und wer eine notwendige Abstimmung mit dem Entwässerungsbetrieb übernimmt. „Das läuft schon ab“ ist keine Planung. Ebenso wenig genügt es, Pflanzen oder Fahrzeuge erst dann abzudecken, wenn bereits Sprühnebel entsteht.

Zugang ist Teil des Auftrags
Was bei Arbeiten in der Höhe nachzuweisen ist
Bei einer mehrgeschossigen Fassade ist die Zugangstechnik kein Nebensatz. Die Betriebssicherheitsverordnung verpflichtet Arbeitgeber zur Gefährdungsbeurteilung und verlangt bei beauftragten Fremdfirmen die erforderliche Fachkunde. Für Hubarbeitsbühnen gehören Ausbildung, gerätebezogene Einweisung und schriftliche Beauftragung der Bedienpersonen zur sicheren Organisation.
Beim seilunterstützten Zugang gelten zusätzliche Anforderungen. Die TRBS 2121 Teil 3 fordert fachlich und körperlich geeignete Beschäftigte; die DGUV nennt das Verfahren für Fassadenarbeiten als Ausnahme, wenn geeignete feste Arbeitsplätze oder Arbeitsbühnen nicht zur Verfügung stehen. Auftraggeber müssen kein Arbeitsschutzhandbuch prüfen. Sie sollten sich aber Qualifikation, Aufsicht, Rettungsweg und die gewählte Zugangstechnik nachvollziehbar erklären lassen.
Zugang zum Objekt
Welche Lösung passt zur Fassade?
Zufahrt und tragfähige Standfläche sind vorhanden
Ein Hubsteiger bringt Arbeitskorb, Material und Wasser kontrolliert an viele Flächen. Reichweite, Aufstellort und Absperrung müssen vorab geklärt sein.
Hubsteiger-Einsatz einordnen →Die Fläche ist hoch, eng oder von unten kaum erreichbar
Seilzugang kann eine Lösung sein, wenn Anschlagpunkte, Qualifikation, Aufsicht und Rettungskonzept passen. Er ist kein pauschaler Ersatz für jede Arbeitsbühne.
Wann Industriekletterer sinnvoll sind →Die Fassade braucht zusätzlich längere Instandsetzungsarbeiten
Dann kann ein Gerüst trotz Aufbauaufwand sinnvoller sein. Reinigung und Reparatur sollten als getrennte Leistungen beschrieben werden.
Hubsteiger und Gerüst vergleichen →Schriftlich entscheidet
Was in Angebot und Abnahme gehört
Ein guter Firmenvergleich endet nicht beim Gesamtbetrag. Alle Anbieter müssen auf denselben Umfang kalkulieren: Flächen, Untergründe, ausgeschlossene Schäden, Schutzmaßnahmen, Zugangsweg, Entsorgung, Terminfolge und gewünschtes Ergebnis. Sonst wirkt ein Angebot günstiger, weil Leistungen fehlen, die später als Nachtrag auftauchen.
Angebote vergleichen
Diese Punkte sollten vor der Unterschrift geklärt sein
- ✓Flächen und Untergründe sind getrennt aufgeführt; erkennbare Schäden stehen im Protokoll.
- ✓Verfahren und Probefläche sind beschrieben, ebenso die Grenze zwischen Reinigung und Reparatur.
- ✓Fenster, Dichtungen, Pflanzen, Fahrzeuge und Laufwege werden ausdrücklich geschützt.
- ✓Auffangen, Ableiten und Entsorgen des Reinigungswassers sind zugeordnet.
- ✓Hubsteiger, Gerüst oder Seilzugang samt Absperrung sind im Leistungsumfang enthalten.
- ✓Start, mögliche Einwirkzeiten, Folgetermine und wetterbedingte Verschiebungen sind geregelt.
- ✓Es gibt einen Ansprechpartner für Auftrag, Durchführung und Mängelmeldung.
- ✓Abnahme, Nacharbeit und Dokumentation sind schriftlich vereinbart.
Misstrauen ist angebracht, wenn Zeitdruck die fachliche Prüfung ersetzt: sofortige Unterschrift an der Haustür, ein nur heute gültiger Preis oder eine Barzahlung ohne eindeutigen Leistungsumfang. Das beweist noch keinen Betrug. Es nimmt Ihnen aber genau die Unterlagen, an denen sich ein ordentlicher Auftrag später messen lässt.
Vom Ersttermin zur Abnahme
So bleibt der Auftrag prüfbar
Vier Stationen trennen Diagnose, Ausführung und Ergebnis – damit Nachträge und Missverständnisse nicht erst auf der Baustelle auffallen.
- 01 Objekt aufnehmen Untergrund, Belag, Schäden, Entwässerung und Zugang gemeinsam erfassen.
- 02 Probefläche bewerten Verfahren an unauffälliger Stelle prüfen und das erreichbare Ergebnis festhalten.
- 03 Leistung freigeben Umfang, Schutz, Entsorgung, Termine und Festpreis schriftlich bestätigen.
- 04 Bei Tageslicht abnehmen Ergebnis mit der vereinbarten Fläche vergleichen, Abweichungen dokumentieren und Nacharbeit terminieren.
Häufig gefragt
Fassadenreinigung: Fragen vor der Firmenauswahl
Kurz beantwortet für Eigentümer, Hausverwaltungen und Verantwortliche größerer Gebäude.
Ist eine Fassadenreinigung sinnvoll oder nicht?
Sinnvoll ist sie, wenn Beläge und Schmutz entfernt werden können, ohne einen geschädigten Untergrund weiter zu belasten. Bei losem Putz, offenen Rissen oder abplatzender Beschichtung muss zuerst geklärt werden, ob eine Instandsetzung Vorrang hat. Eine Probefläche trennt beide Fälle.
Ist es erlaubt, eine Fassade mit einem Hochdruckreiniger zu reinigen?
Ein generelles Ja oder Nein greift zu kurz. Entscheidend sind Untergrund, Druck, Abstand, Düse und der Umgang mit dem entstehenden Abwasser. Auf empfindlichem Putz oder WDVS kann ein ungeeignetes Vorgehen Schäden verursachen. Die Firma sollte das Verfahren am Bauteil begründen.
Wie lange hält eine Fassadenreinigung?
Dafür gibt es keine seriöse Pauschalzahl. Ausrichtung, Feuchte, Dachüberstand, Nähe zu Bäumen, Oberfläche und Art des Belags beeinflussen, wann sich neue Verschmutzung zeigt. Ein Anbieter sollte deshalb Bedingungen und erreichbares Ergebnis erklären, statt eine Haltbarkeit ohne Objektprüfung zu versprechen.
Wie kann ich meine Hausfassade selbst reinigen?
Kleine, standsicher erreichbare Probeflächen lassen sich zunächst mit einer weichen Bürste und wenig Wasser beurteilen. Bei Höhe, unbekanntem Putz, WDVS, chemischen Mitteln oder unklarer Entwässerung endet der sinnvolle Eigenversuch. Dann braucht es eine Untergrund- und Arbeitsplanung statt einer stärkeren Maschine.
